Nachhaltig heiraten: Wo es wirklich etwas bringt
Von Unser Ja4 Min. Lesezeit
Nachhaltige Hochzeit ohne Verzicht-Romantik: wo bei einer Hochzeit wirklich Ressourcen draufgehen und welche Entscheidungen den größten Unterschied machen.

Bei nachhaltigen Hochzeiten denken viele zuerst an Papier: Recyclingkarten, Saatpapier, Tischkarten aus Holz. Das ist nett, aber ehrlicherweise nicht der große Hebel. Der größte ökologische Fußabdruck einer Hochzeit entsteht fast immer durch zwei Dinge: wie die Gäste anreisen und was gegessen (und weggeworfen) wird.
Wenn ihr also mit begrenzter Energie etwas verändern wollt, fangt dort an.
Anreise: die größte Stellschraube
Kommen 80 Gäste in rund 35 Autos jeweils 200 Kilometer weit, sind das hin und zurück etwa 14.000 gefahrene Kilometer. Daneben fallen Papier und Deko kaum ins Gewicht.
Ihr müsst deshalb nicht auf die Traumlocation verzichten. Aber ein paar Entscheidungen helfen:
- Eine Location, die mit Bahn oder Bus erreichbar ist, oder ein Shuttle vom nächsten Bahnhof. Ein Kleinbus, der zweimal fährt, ersetzt schnell 15 Autos.
- Unterkünfte in Laufweite der Location, damit niemand nachts noch fahren muss.
- Fahrgemeinschaften anregen: Schreibt in die Einladung oder auf die Website, wer aus welcher Stadt kommt, und bittet die Leute, sich zusammenzutun.
- Eine Hochzeit im Ausland nur, wenn sie euch wirklich wichtig ist. Flüge für 60 Gäste übertreffen alles andere um ein Vielfaches.
Essen: weniger wegwerfen
Bei Hochzeiten wird viel zu viel gekocht, weil niemand genau weiß, wer kommt und wer was isst. Das lässt sich ändern, und es spart nebenbei Geld.
Fragt die Zusagen früh und vollständig ab, inklusive Menüwahl, Allergien und Kindern. Mit einer Online-Zusage habt ihr die Zahlen sauber an einem Ort statt verteilt auf Chats und Zettel, und ihr könnt dem Caterer eine exakte Liste schicken. Wer weiß, dass 14 Personen vegetarisch essen, bestellt nicht vorsichtshalber 25.
Fragt außerdem beim Caterer, was mit den Resten passiert. Manche geben sie in Behältern mit oder arbeiten mit Initiativen wie Foodsharing zusammen, andere dürfen das aus Haftungsgründen nicht. Das solltet ihr vor der Unterschrift wissen, nicht um Mitternacht.
Regional und saisonal zu essen, ist ohnehin oft besser und nicht teurer. Spargel im Mai, Kürbis im Oktober. Erdbeeren im Dezember sind weder nachhaltig noch lecker.
Deko, Blumen, Kleidung
Hier hilft vor allem leihen und weitergeben. Viele Locations und Floristinnen haben Vasen, Kerzenständer und Stoffe, die sie verleihen. Second-Hand-Gruppen für Hochzeitsdeko gibt es in fast jeder Region, und nach der Feier gebt ihr eure Sachen dort wieder ab.
Bei Blumen machen Saison und Herkunft den Unterschied. Rosen aus Kenia im Februar haben einen anderen Weg hinter sich als Dahlien aus der Gärtnerei nebenan im August. Fragt eure Floristin direkt, was gerade aus der Region kommt. Und überlegt, ob die Gestecke vom Trauplatz danach auf die Tische wandern können, statt doppelt zu kaufen.
Ein Brautkleid aus zweiter Hand oder ein Anzug, den man wirklich wieder anzieht, ist ein schöner Schritt. Es muss aber zu euch passen. Ein Kleid, in dem ihr euch nicht wohlfühlt, ist kein Gewinn.
Papier: wo es leicht geht
Dass hier am wenigsten zu holen ist, heißt nicht, dass es egal ist. Und es ist der einfachste Teil.
Eine Hochzeitswebsite ersetzt Anfahrtsbeilagen, Hotellisten, Antwortkarten und das Nachdrucken, wenn sich etwas ändert. Die Einladung selbst könnt ihr trotzdem auf Papier verschicken, wenn sie euch wichtig ist. Dann eben nur die Karte, ohne fünf Beilagen. Für Gäste ohne Smartphone druckt ihr gezielt ein paar Exemplare oder tragt ihre telefonische Antwort selbst ein.
Fotoabzüge braucht nach der Feier kaum noch jemand, wenn alle Gäste ihre Bilder in eine gemeinsame Galerie laden.
Was ihr nicht tun müsst
Nachhaltig heiraten heißt nicht, dass jede Entscheidung perfekt sein muss oder dass ihr euren Gästen erklärt, warum es keine Luftballons gibt. Eine Hochzeit mit vegetarischem Buffet, Shuttle vom Bahnhof und geliehener Deko ist deutlich besser als der Durchschnitt, auch wenn das Kleid neu ist und die Ringe aus frisch gefördertem Gold sind.
Fangt bei Anreise und Essen an. Der Rest ist Kür.
Veröffentlicht am 10. April 2025